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13. 3. 2019

Auf den Spuren der Familie Straub in Wiesensteig – neue Entdeckungen bei der Archivrecherche

Die Recherche im Archiv der Pfarre St. Cyriakus und im Stadtarchiv von Wiesensteig, der Heimatstadt der Familie Straub, sowie die nachfolgende Auswertung der gesammelten Daten brachte interessante neue Ergebnisse, die auch in den Stammbaum der Familie einflossen. Die österreichische Kunsthistorikerin Julia Strobl reiste im Oktober 2018 nach Baden-Württemberg. Pfarrer Ralf Baumgartner und Bürgermeister Gebhard Tritschler ermöglichten dankenswerter Weise unbeschränkten Zugang zu den Archiven, ein besonderer Dank gebührt auch dem Stadthistoriker Helmut Poloczek, der die Recherche vor Ort unterstützte.

Der Familienname Straub ist seit dem 17. Jahrhundert in Wiesensteig nachweisbar, auch wenn die Familie möglicherweise schon länger dort ansässig war. 1648 wurden durch den großen Stadtbrand alle Archivmaterialien, darunter auch die Wiesensteiger Tauf- Sterbe- und Heiratsregister zerstört. Als Ahnherr der Bildhauerfamilie gilt der Schreinermeister Johann Ulrich Straub (ca. 1645–1706), der 1667 Anna Maria Buck heiratete. Der älteste fassbare ist Hans Straub, Küfner (+ 1680), sein Sohn Johannes, ebenfalls Küfner, heiratete 1666. Er muss also der gleichen Generation angehört haben wie Johann Ulrich Straub, der Schreiner wurde und 1667 heiratete. Die Verwandtschaft ist jedoch nicht nachweisbar, da keine Quellen vor 1648 erhalten sind.

Johann Ulrich Straubs Söhne Johann Georg (1674–1755) und Johannes (1681-1759) gründeten jeweils Familien ihrer Heimatstadt, doch nur die jüngere Linie, die männlichen Nachkommen von Johannes Straub, blieb über mehreren Generationen in Wiesensteig. Fünf erwachsene Söhne Johann Georgs aus zwei Ehen mit insgesamt 20 Kindern verließen hingegen die Kleinstadt Wiesensteig und ließen sich bekanntermaßen als Bildhauer in München, Graz, Radkersburg, Marburg und Zagreb nieder. Bemerkenswert ist, dass es zwei Mal zu Zwillingsgeburten kam, eine genetische Disposition, die vermutlich über die männlich Linie weitergegeben wurde. Franz Anton Straub (1726–1774/76), der in Zagreb lebte, hatte ursprünglich eine Zwillingsschwester, die mit etwa zwei Monaten verstorben war. Nicht beachtet wurde bisher ein Bruder der berühmten Bildhauerfamilie, Thomas (1722–1745), der vermutlich ständig im Betrieb seines Vaters als Schreiner mitarbeitete und sehr jung an einem bösartigen hitzigen Fieber verstarb. Der Eintrag im Totenregister bezeichnet ihn als „solutus scrinarius“, als ledigen Schreiner. Als letzter Schreinermeister der Familie in Wiesensteig ist Johann Ulrichs Urenkel Joseph Straub (1753–1825) überliefert, dessen Sohn Johannes Nepomuk (1784-1837) erlernte zwar das väterliche Handwerk, auch ein Gesellen-Aufenthalt in Wien ist nachweisbar, danach siedelte er sich jedoch im benachbarten Deggingen an, möglicherweise aufgrund eines Familienzerwürfnisses.

Julia Strobl