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19. 2. 2019

Der Hochaltar von St. Henrik in der Kirche St, Henrik in Pohorje, Frajhajm

Mitglieder des slowenischen Teams (V. Pavlič, S. Dolinšek, V. Benedik) besuchten die Filialkirche St. Henrik zum ersten Mal im April 2018. Unser Fokus lag am Hochaltar, der Joseph Straub zugeschrieben wird. Wir dokumentierten den Altar und machten eine kleine Vor-Ort-Studie, um Werke der Mitglieder der Straub-Familie zu sammeln und zu dokumentieren. Wir waren vom Zustand des Altars schockiert, insbesondere vom schlechten Zustand seiner Fassung. Aufgrund der  unüblich hohen Luftfeuchtigkeit und der extrem tiefen Temperatur innerhalb der Kirche, hob sich der Kreidegrund ab, es kam zu Abmehlungen, Rissbildung, Abblättern und damit einhergehenden Farbverlusten. Zwei Wochen später kehrten wir zur Kirche St. Henrik zurück, um eine Schutzschicht anzubringen, die das Abfallen der Farbschichten vom hölzernen Träger verhindern sollte. Die gebräuchliche Verwendung von Fisch- oder Hasenhautleim in einem Fall, in dem zu viel Feuchtigkeit am und um den Altar vorhanden ist, machte wenig Sinn. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, wann die künftigen konservatorisch-restauratorischen Arbeiten am Hochaltar beginnen würden, daher beschlossen wir, akrylische Festigungsmittel (Träger zur Festigung, Lascaux) zu verwenden, um Japanpapier auf die kritischen Stellen zu kleben.

Als am 15. Juli 2018 die Messe zur Feier des Hl. Hendrik stattfand, sprachen wir mit einigen Menschen über die Wichtigkeit des Hochaltars und das TrArS-Projekt sowie über die Notwendigkeit von Restaurierungsarbeiten am Altar.

Im November 2018 kehrten wir zur Kirche zurück, um die Skulpturen und Ornamente vom Hochaltar abzubauen und sie in das Restaurierungszentrum von Ljubljana zu bringen. Bald beschlossen wir, dass die bestmöglichste konservatorisch-restauratorische Arbeit dann möglich ist, wenn der gesamte Altar demontiert und in die Werkstatt in Ljubljana gebracht wird. Bis die konservatorisch-restauratorischen Arbeiten am Altar abgeschlossen sind, wird die Kirche langsam trockengelegt, was einem Entwässerungssystem außerhalb des Gebäudes zu verdanken ist, das in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 gebaut wurde. Einige Arbeiten an den Wänden und dem Boden sind für die zukünftigen Restaurierungstätigkeiten der Kirche geplant.

Das erste, das wir mit den demontierten Teilen des Altars machten, war die Festigung der Farbschichten und deren Desinfektion. Die Rückseite des Altars war von Algen bedeckt. Wir fanden auch Spuren von wenigen verschiedenen Pilzarten und einige Teile des hölzernen Trägers waren von Braunfäule zersetzt.

Wir bürsteten die Algen mit harten Bürsten vom Holz, danach wuschen wir den hölzernen Träger der Rückseite. Schließlich besprühten wir diese mit einer desinfizierenden und entwesenden Schicht.

Nach der Desinfektion entnahmen wir einige Proben der Fassung und fanden heraus, dass der Altar in der Vergangenheit mindestens vier Mal komplett renoviert worden ist. Fragmente der originalen Schicht, die unter einigen Farbschichten erhalten ist, sind sehr verletzlich und empfindlich, aber sie geben uns genügend Information über die originale Erscheinung der bemalten Flächen, die Versilberung sowie die Vergoldung. Glücklicherweise ist zumindest die Marmorierung in der Mitte der Altararchitekur gut erhalten. Die heute sichtbare, mutmaßlich von A. Zoratti 1895 geschaffene, Fassung ist historisch, aber sie vermittelt uns auch komplett verschiedene Informationen zum  ursprünglichen Aussehen des Altars. Dr. Katja Kavkler entnahm Proben der Farbschichten, um diese sowie die verwendeten Materialien, insbesondere die originalen, zu analysieren.

Auf der Rückseite des Altars befinden sich drei Signaturen von Restauratoren. Die älteste wurde an der Rückseite der Nische gefunden: Thomas Kotnig…Ignac Holc…1861. Die nächsten beiden Restauratoren unterschrieben an der Rückseite der Prädella: RENOV….1895….´´Anton´´ a. Zoratti….Podkrižnik.

Die originale Fassung, Vergoldung und Versilberung mit Lasur ist nur in Teilen erhalten. Deshalb wird sich eine Gruppe Experten versammeln, um über die zukünftige Präsentation der Altarfassung zu diskutieren und zu entscheiden. Die Mitglieder der teilnehmenden Länder des TrArS-Projekts werden eingeladen, mit der Expertengruppe zusammenzuarbeiten und ihre reiche Erfahrung sowie breites Wissenspektrum beizutragen. So erbringt das Projekt handfeste Ergebnisse  und trägt zur Erhaltung und Restaurierung der Kunstwerke bei. Die konservatorisch-restauratorischen Arbeiten werden in der Abteilung für Holz im Restaurierungszentrum in Ljubljana fortgeführt werden.

Saša Dolinšek, Restauratorin and Valentina Pavlič, Kunsthistorikerin