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14. 12. 2018

Studienreise nach Wien

Am 27. und 28. November 2018 trafen sich Projektteilnehmer der Technical Expert Group und der Expert Group for Research aus Slovenien, Deutschland, Österreich und Kroatien in Wien zu einem Arbeitstreffen und zu Besichtigungen im Zusammenhang mit der Erforschung des Werks von Johann Baptist Straub. Julia Strobl M.A. hatte das Treffen in Zusammenarbeit mit Frau Professor Inge Schemper und der Wiener Diözesankonservatorin Frau Elena Holzausen M.A. in hervorragender Weise organisiert. Prof. Dr. Peter Steiner, einer der hervorragenden Kenner des Werks von Johann Baptist Straub, war eigens aus Deutschland angereist, um an dem Treffen teilzunehmen.

Am ersten Tag standen Besuche von Wiener Kirchen auf dem Programm, in denen die Mitarbeit Johann Baptist Straubs oder seiner Zeitgenossen anzunehmen ist. Begonnen wurde mit der Pfarr- und Klosterkirche St. Augustinus (Augustinerkirche), die in der Vergangenheit mit Ausstattungsstücken der früheren Benediktinerkirche Unsere Frau von Monserrato (Schwarzspanierkirche) ausgestattet worden war, die Johann Baptist Straub zugeschrieben werden (Laiengestühl und Teile der Seitenaltäre- heute in den Auszügen der beiden Seitenaltäre vor dem Chorbogen, sowie der Orgel spielende Engel).Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über das Laiengestühl und dessen ursprüngliche Farbe, ebenso wie über die konstruktiven Veränderungen im Zusammenhang mit dem Aus- und Einbau an dem neuen Standort. Zwei Skulpturen der hll. Ambrosius und Augustinus dieser Kirche werden von Frau Professor Schemper Lorenzo Mattielli zugeschrieben, dem wichtigsten italienischen Bildhauer im Wien des 18. Jh. Thomas Mahr, Restaurator und Dozent begleitete die Gruppe und berichtete über die Konservierung/Restaurierung der beiden Skulpturen in den Jahren 2013/14. Die Skulpturen bestehen aus Sandstein und sind mit einer Oberfläche aus Stuck versehen, die poliert und matt gestaltet wurde.

In der Peterskirche wurde die Zuschreibung der Skulpturengruppe “Martyrium des hl. Nepomuk” an Lorenzo Mattielli und eine mögliche Beteiligung Johann Baptist Straubs diskutiert. Herr Dr. Steiner gab dazu wertvolle Hinweise. In der Minoritenkirche (Santa Maria della Neve) wurden vier weitere Skulpturen (Sandstein/Stuck), die Professor Schemper auch Lorenzo Mattielli zuschreibt, besprochen. Vier Leinwandgemälde der ehem. Seitenaltäre der Schwarzspanierkirche werden heute an den Wänden in Stuckrahmen präsentiert. Am Ende der Besichtigungen von Wiener Kirchen stand die Michaelerkirche. Dort beschrieb die Restauratorin Monika Mager, MA die Ausgangslage bzw. Befunde für die Konservierung und Restaurierung der Wedenbergerkapelle. Es ging vor allem um den heutigen Zustand des Altares (Christ Geburt) aus dem 17. Jh. mit einem in jüngerer Zeit hinzugefügten, hochwertigen Leinwandgemälde von Franz Anton Maulbertsch und die Grablegung von Franz Käßmann, 1819.

Während der anschließenden Sitzung in den Räumen der kunsthistorischen Fakultät der Wiener Universität, stellte Julia Strobl ihrer jüngsten Erkenntnisse und offene Fragen zur Forschung in Wiesensteig, dem Geburtsort der fünf Straubbrüder vor. Es folgten Ausführungen zu dem anstehenden Financial Report für das Projekt, zu den Beiträgen zum Katalog und zu der Monographie.

Am nächsten Tag ging die Fahrt zu der Wallfahrts- und Pfarrkirche Mariabrunn, wo die Gruppe von den Herren Walter Pröglhof, Dr. Ernst Schödl, und Manfred Blamauer begrüßt wurde. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand der Hochaltar dessen ausführender Bildhauer bislang nicht eindeutig bestimmt werden konnte. Den Abschluss der Besichtigungen bildete die Pfarrkirche Erhöhung des hl. Kreuzes in Laxenburg, in die ein weiteres Ausstattungsstück der Schwarzspanierkirche in Wien, die Kanzel, die Johann Baptist Straub (1730-34) zugeschrieben wird, verbracht worden war. Es entwickelte sich eine interessante und anregende Dikussion in der es um die heutige Erscheinung der Kanzel (war diese ursprünglich vergoldet oder holzsichtig?) ging und zu ihrem ikonographischen Programm. Dabei wurden die Kanzeln aus Dießen, kath. Pfarrkirche Maria Himmelfahrt (Johann Baptist Straub, 1738–39) und Ehrenhausen (Philipp Jakob Straub, about 1753) als Vergleichsstücke herangezogen. Die Möglichkeit der Mitarbeit Philipp Jakob Straubs in der Werkstatt seines älteren Bruders wurde dabei erörtert.

Martina Ožanić

Fotos: Miroslav Pavličić