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28. 8. 2018

Der Kampf mit dem Drachen: die Untersuchung des Hochaltares in der Filialkirche St. Georg in Bichl

Die Untersuchung des Hochaltars in der Filialkirche St. Georg in München-Bogenhausen steht an erster Stelle der ausgewählten Werke Johann Baptist Straubs in Bayern. Am 1. und 2. August 2018 wurde das Gerüst aufgestellt und mit den Untersuchungen begonnen. Lea Rechenauer, die an der Akademie für Kunst und Design in Stuttgart im 9. Semester Konservierung und Restaurierung studiert, schreibt ihre Semesterarbeit über die Untersuchung der beiden Hauptaltäre in München-Bogenhausen und Bichl. Zusammen mit dem Koordinator des bayerischen Teams Rupert Karbacher steht sie fünf Tage in der Woche auf dem Gerüst. Ziel der Untersuchungen ist es Unterschiede bzw. Übereinstimmungen in der Arbeitsweise Straubs bzw. seiner Mitarbeiter herauszuarbeiten. Die Ergebnisse werden den übrigen Mitgliedern Dr. Martin Mannewitz, Dipl. Rest. Andreas Müller, Dipl. Rest. Judith Schekulin des bayerischen Projektteams vorgestellt und diskutiert.

Durch Archivalien ist überliefert, dass der Altar in den Jahren 1770-1773 entstanden ist. Graf August Joseph Törring, der in der Nähe der Kirche ein großes Anwesen besaß zahlte Straub 550fl für seine Arbeit. Törrings Vater und Bruder waren Mitglieder in dem Bund der St. Georgsritter, dies war vermutlich ein Grund warum der Hochaltar St. Georg geweiht wurde. Die beiden Seitenaltäre und die Kanzel stiftete Pfarrer Franz Georg Riedl, Ignaz Günther hat diese in den Jahren 1774-77 geschaffen. Nach Günthers Tod im Jahr 1775 wurden vier Skulpturen von anderer Hand geschnitzt. Von 1743-1750 war Günther Mitarbeiter in der Werkstätte von Johann Baptist Straub.

Im Mittelpunkt des Hochaltares steht die Skulpturengruppe des Hl. Georg auf dem Pferd, der gegen den Drachen kämpft. Die Altararchitektur ähnelt einer Theaterbühne. Vier Säulen und zwei Pfeiler stehen zu beiden Seiten des Altarmittelpunkts. Hinter der Georgsgruppe steht eine Wand mit einem Durchgang der von zwei Pfeilern und einem Bogen eingefasst wird. In dem Durchgang schwebt ein Putto auf einer Wolke, ein Vorhang der zu beiden Seiten gerafft wird, gibt den Blick auf den Durchgang frei. Ein riesiger Strahlenkranz verbirgt den Bogen, der die Säulenarchitektur miteinander verbindet. Skulpturen des hl. Donatus und der hl. Irene stehen über zwei Durchgängen rechts und links vom Altar. Gottvater und sein Sohn sitzen rechts und links auf dem Kranzgesims. Putten und geflügelte Puttenköpfchen sind dekorativ über den Altar verteilt. Gefertigt wurde der gesamte Altar aus Holz, die Oberflächen sind polimentvergoldet oder polychrom gefasst. Ziel der Untersuchungen ist es herauszufinden welche Teile noch ursprünglich erhalten sind bzw. wo Veränderungen vorliegen. Die Gründe dafür werden nach Möglichkeit ermittelt. Werkzeugspuren Straubs bzw. seiner Mitarbeiter werden dokumentiert, um Zuordnungen oder Händescheidungen zu ermöglichen. Im Zusammenhang mit der letzten Restaurierung der Kirche in den Jahren 1996-2000 wurde im Auftrag des Kunstreferats der Diözese München eine Dokumentation der Archivalien verfasst. Diese Archivalien zusammen mit historischen Fotos und den Beobachtungen am Altar ermöglichen Aussagen über Veränderungen oder Verluste. Während der Untersuchungen bleiben alle Teile des Altares vor Ort, die Untersuchungsmöglichkeiten sind dadurch eingeschränkt. Mittels UV Strahlern konnten interessante Einblicke in die Fassung gewonnen werden. Vier bis fünf Restaurierungen wurden im 19. Und 20. Jh. durchgeführt. In der Mitte des 20. Jh. nahm man die Überfassung des 19. Jh. wieder ab, der folgende Auftrag von pigmentiertem Wachs sollte das Freilegungsergebnis beschönigen. Bei jeder Bearbeitung wurden die Strukturen der ursprünglichen Marmorierung verändert. Der ursprüngliche Harzüberzug auf der Marmorierung ging mit der Freilegung verloren. Erstaunlicher Weise finden sich dennoch viele Bereiche mit Vergoldungs- und Farbfassungsoberflächen des 18. Jh. Die ökonomische und routinierte Arbeitsweise der Handwerker des 18. Jh. lässt sich gut nachvollziehen in der Folgezeit scheinen diese Fähigkeiten mehr und mehr verloren gegangen zu sein. Professor Volker Schaible und Dipl. Rest. Peter Vogel, Leiter der Restaurierungswerkstätten an der Akademie für Kunst und Design in Stuttgart informierten sich bei ihrem Besuch in St. Georg über den Stand der Untersuchungen. Der Vorschlag über die vergleichende Untersuchung der beiden Hochaltäre in München-Bogenhausen (1773) und Bichl (1752) eine Masterarbeit zu schreiben wurde anläßlich dieses Besuches erörtert.

Rupert Karbacher und Lea Rechenauer