Erläuterungen zum Projekt

Die Grundidee für das Projekt bezieht sich auf die Tatsache, dass fünf Söhne der Familie Straub im 18. Jh. an verschiedenen Orten des heutigen Deutschlands, Österreichs, Sloveniens und Kroatiens zu den führenden Bildhauern ihrer Zeit zählten. Der älteste Sohn Johann Baptist Straub (1704-1784) betrieb in München eine Werkstatt, Philipp Jakob Straub (1706–1774) in Graz, Joseph Straub (1712–1756) in Maribor und Johann Georg Straub (1721–1773) in Bad Radkersburg. Der jüngste Sohn Franz Anton (1726–1774/76) lebte und arbeitete in Zagreb. Ihre erste Ausbildung im Beruf erhielten die Brüder in der Werkstatt ihres Vaters Johann Georg (1669–1706) in Wiesensteig (heute Baden-Württemberg), der als Schreiner und Bildhauer tätig war. Durch ihre Tätigkeit in der neuen Umgebung entwickelten sich nicht nur ihre künstlerischen Fähigkeiten, sondern auch ihr Wissen. Die Auseinandersetzung mit den kulturellen Eigenheiten ihrer Umgebung und mit den lokalen Künstlern führte zu einer gegenseitigen Beeinflussung und der Anhebung des künstlerischen Niveaus an der Stätte ihres Wirkens. Bemerkenswerte Erfolge sind auf ihre hohen handwerklichen Fähigkeiten und ihre außergewöhnliche Fähigkeit die Erwartungen der örtlichen Auftraggeber zu erfüllen, zurückzuführen. Gemeinsam mit ihren individuellen Fähigkeiten führte Letzteres zu beachtlichen Variationen ihres Rokoko-Vokabulars.

Bis heute wurden die Werke der Gebrüder Straub weitgehend auf nationalem Niveau studiert. Ein Ziel des Projektes ist es die erhaltenen Werke als seine historische und künstlerische Einheit zu betrachten und anhand dessen die Entwicklung sowie die Anpassungsfähigkeit der Stilformen und die Produktivität der Werkstattbetriebe aufzuzeigen. Ein Forschungsteam aus Experten der vier beteiligten Nationen widmet sich, über ihre eigenen lokalen Forschungen hinaus, dieser Aufgabenstellung. Gemeinsame Besichtigungen sowie die Erforschung der lokalen Kunstwerke, im Abgleich mit den bisher gewonnenen Erkenntnissen, bilden die Grundlage für diese Arbeit. Dabei kommen unterschiedliche Disziplinen gleichzeitig zum Einsatz, die ausgehend von ihren unterschiedlichen Denkansätzen, einander gegenübergestellt und im Hinblick auf ein übereinstimmenden Ergebnisses abgeglichen werden.

Die vergleichende Forschung soll Erkenntnisse darüber erbringen, welche Bedeutung die Familie Straub hinsichtlich der Ausformung und Verbreitung der Kunst des Rokoko im Gesamtzusammenhang der Kunst des 18. Jh. in Zentraleuropa hatte. Erforscht werden soll dabei auch welche sozialen, politischen und kulturellen Grundlagen zur Ausbildung individueller Ausdrucksformen innerhalb der untersuchten Gebiete geführt haben. Hierzu wird in in lokalen Archiven geforscht, eine vergleichende formale Analyse unter Berücksichtigung der verwendeten Materialien und der angewandten Technologie durchgeführt. Die Erfassung sämtlicher Werke, die den Gebrüdern Straub zugeschrieben werden, in einem Katalog bildet ein weiteres Ziel des Projektes. Die sozialen, historischen und kulturellen Entwicklungen in den vier beteiligten Ländern weisen Übereinstimmungen auf, die es erlauben viele gemeinsame Probleme zu benennen. Die Betrachtung und Diskussion der unterschiedlichen Handhabung präventiver Konservierungs-, Restaurierungs- und Konservierungsmethoden in den beteiligten nationalen Einrichtungen soll optimaler Weise zu einem zukunftsorientierten Abgleich bzw. zu einer gemeinsamen Basis in diesem Bereich führen. Die Vermittlung der Arbeit an den nationalen Kunstwerken an eine breitere Öffentlichkeit mit ganz unterschiedlichem sozialem Hintergrund ist in diesem Zusammenhang von höchster Bedeutung.

Das TrArS Projekt wurde geplant, um die Zusammenarbeit zwischen den Europäischen Experten und Institutionen auf dem Gebiet des Schutzes des kulturellen Erbes zu intensivieren, die Beweglichkeit der Experten zu verbessern, den Austausch von Ideen zu fördern, die Kultur und die Wissenschaft zu vernetzen und die Ergebnisse dieser Prozesse der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Finanziell gefördert wird das Projekt von der Europäischen Kommission, dem Ministerium für Kultur der Republik Kroatien und dem Bayerischen Ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kultur.